Was ist nur mit unserer Schweiz geschehen?


    KOLUMNE    Grüezi Züri!


    Grüezi Züri. Oder Allahu Akbar?! Ich bin zutiefst betroffen und erschüttert über das, was am vergangenen Donnerstag am Bahnhof Winterthur passiert ist.

    Ein schweizerisch-türkischer Doppelbürger sticht am frühen Morgen wahllos auf Passanten ein. Drei Menschen werden verletzt, teilweise schwer. Dabei ruft der Täter mehrfach «Allahu Akbar» – «Gott ist grösser». Der Terrorakt, wie ihn Regierungsrat Mario Fehr richtigerweise mehrfach bezeichnet hat, ereignet sich zur Stosszeit. Mitten im Geschehen: eine Kindergartengruppe.

    Die Kinder müssen die schrecklichen Szenen mitansehen. Für jede Mutter, jeden Vater eine Horrorvorstellung. Was, wenn eines der Kinder getroffen worden wäre? Was, wenn es dein Kind gewesen wäre? Dein Gottimeitli? Dein Schüler? Man will es sich nicht ausmalen.

    Die Tat macht mich fassungslos. Was ist nur mit unserer Schweiz geschehen? Mit jenem sicheren Hafen, in den man nach den Ferien immer gerne zurückkehrte, weil hier vieles eben doch «besser» ist. Weil man sich sicher fühlte. Jahrelang blickten wir – zugegeben manchmal mit einer gewissen Überheblichkeit – auf unsere Nachbarn und sagten: «So etwas passiert bei uns nicht.» Oder: «In der Schweiz sind wir sicher.» Und nun? Plötzlich sind wir selbst betroffen. Unsere Bahnhöfe. Unsere Passanten. Unsere Kinder.

    Die Terror-Sperren, über deren Notwendigkeit sich mancher lustig machte, werden auf einmal bitterer Ernst. Was lange wie ein Problem anderer Länder erschien, ist nun auch bei uns angekommen.

    Im Netz kursieren Videos aus Deutschland und Österreich. Der Tenor ist überall derselbe: Schock. Empörung. Resignation. Viele können kaum glauben, dass solche Taten nun auch die vermeintlich sichere Schweiz treffen. Das Beunruhigendste daran: Es hätte jeden treffen können.

    Nach Anschlägen auf Grossveranstaltungen – etwa beim Ariana-Grande-Konzert in Manchester oder auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg – kann man sich zumindest einreden, solche Orte künftig zu meiden. Doch einen Bahnhof kann man nicht meiden. Dort beginnt für Tausende Menschen der Alltag. Der Arbeitsweg. Der Schulweg. Das ganz normale Leben. Genau das macht solche Taten so verstörend. Sie sind unberechenbar. Sie treffen nicht irgendwelche Menschen. Sie treffen uns.

    Und deshalb muss man auch unbequeme Fragen stellen dürfen. Wie viele Warnsignale wollen wir noch ignorieren? Wie lange wollen wir noch wegschauen, wenn die Folgen einer jahrelangen, masslossen Zuwanderung immer sichtbarer werden? Wie oft müssen Menschen verletzt oder gar getötet werden, bis die Politik bereit ist, Missstände anzusprechen und die Konsequenzen zu ziehen?

    Zu lange wurde beschwichtigt, relativiert und verdrängt. Wer auf Probleme hinwies, wurde allzu oft als Angstmacher oder gar Rassist abgestempelt. Statt die Sorgen der Bevölkerung ernst zu nehmen, hat die Politik weggeschaut.

    Und vielleicht ist das die bitterste Erkenntnis dieses Tages: Die Schweiz ist noch immer eines der sichersten Länder der Welt. Aber die Gewissheit, dass so etwas bei uns niemals passieren kann, haben wir am Bahnhof Winterthur verloren.

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    ZUR PERSON: Carla De-Vizzi ist Kommunikationsspezialistin mit journalistischem Hintergrund. Seit zwei Jahren arbeitet sie in einer Kommunikationsagentur in Zürich. Sie studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft mit Nebenfach Politik an der Universität Zürich und absolvierte anschliessend einen Master of Science in Corporate Communication an der Universität von Amsterdam.

    Carla De-Vizzi lebt im Kreis 7 der Stadt Zürich und ist stolze Zürcherin. In ihrer Freizeit läuft sie Marathon.

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